Das erste Riesling-Weingut der Welt

Zur Weinlese auf Schloss Johannisberg

 

Zur Weinlese auf Schloss Johannisberg

Es hat geregnet heute Morgen. Das erste Mal seit etlichen Wochen. Nicht viel, nicht ergiebig, kaum der Rede wert – würde man meinen, jedenfalls als Laie. Und doch genug, um die Weinlese zu unterbrechen. Denn ein bisschen Feuchtigkeit hängt noch in der Luft. Und vor allem: an den Trauben. Genauer gesagt: An den Rieslingtrauben, die hier am Schloss Johannisberg wachsen – und das Weingut weit über die Grenzen Deutschlands hinaus nicht nur bekannt, sondern seit Dekaden oder sogar Jahrhunderten bereits berühmt gemacht haben.

 

"Seit 1720 bauen wir hier ausschließlich Riesling an"

 

„Auf Schloss Johannisberg gibt es nur einen Star – und das ist unser Riesling“, unterstreicht Geschäftsführer Stefan Doktor die Bedeutung der Rebsorte für das Schloss. Gemeinsam mit Marcel Szopa leitet er seit 2016 die Geschicke des historischen Weinguts, auf dem bereits seit 1200 Jahren Wein angebaut wird.

"Seit 1720 bauen wir hier ausschließlich Riesling an, eine der ältesten und edelsten Rebsorten der Welt", gibt Stefan Doktor einen winzigen Einblick in die bewegende Geschichte von Schloss Johannisberg, das in diesem Jahr „300 Jahre Riesling“ feiert. 50 Hektar groß, nach Süden ausgerichtet und mit einer Neigung von 45 Grad erstreckt sich der Weinberg hinauf auf 182 Meter über dem Meeresspiegel – und bietet den Trauben die perfekte Sonneneinstrahlung.

„Da die Bedingungen für den Weinbau hier einzigartig sind, wurde Schloss Johannisberg schon immer mit qualitativ hochwertigen Weinen in Verbindung gebracht. Doch als wir hier vor knapp vier Jahren mit unserer Arbeit begonnen haben, wollten wir uns mit diesem Status Quo nicht zufriedengeben. Wir haben das Schloss aus dem sprichwörtlichen Dornröschenschlaf geweckt“, erinnert sich Marcel Szopa zurück. Also begannen die beiden buchstäblich damit, jeden einzelnen Stein auf Schloss Johannisberg umzudrehen, jede Routine zu überprüfen, jeden Wein zu hinterfragen.

 

„Wir wussten: Wenn wir mit Schloss Johannisberg von der deutschen Spitze in die Weltspitze aufsteigen wollen, dann geht es um jedes noch so kleine Detail. Wir hatten von Anfang an das ambitionierte Ziel, das Erbe nicht einfach nur fortzuführen, sondern Schloss Johannisberg weiterzuentwickeln“, erklärt Szopa weiter.

Stefan Doktor erinnert sich: "Zu Beginn war es die größte Herausforderung, jede einzelne Mitarbeiterin und jeden einzelnen Mitarbeiter auf diese Reise mitzunehmen. Wir wollten, dass sie sehen, was wir sehen. Rückblickend muss man sagen, dass wir ohne das Team nicht da wären, wo wir heute sind. Und darauf sind wir wirklich stolz."

Gemeinsam mit dem 40-köpfigen Team entstehen auf Schloss Johannisberg tagtäglich neue Ideen – für Weinkreationen, Angebote für Besucher und immer wieder dafür, wie man das Bestehende besser machen kann. „Wir hinterfragen unsere Arbeit jeden Tag – ganz einfach, weil wir lieben, was wir tun. Wir wissen, dass wir hier auf dem Schloss in große Fußstapfen getreten sind und dass Schloss Johannisberg als Monument der Weingeschichte gilt.

 

 

Das ist eine große Verpflichtung – aber keine, vor der wir zurückschrecken oder auf der wir uns ausruhen möchten. Wir sind mutig genug, um uns von der Historie zu lösen und mit Entschlossenheit neue, andere Wege zu gehen“, so Marcel Szopa. „Manchmal reden wir auch nicht lange um den heißen Brei herum und machen’s einfach“, ergänzt Stefan Doktor lächelnd.

 

 

"Die Auszeichnungen und Bewertungen der Kritiker geben uns recht"

 

"Inzwischen können wir viele Entscheidungen mit einer gewissen Gelassenheit und Zuversicht treffen. Dennoch ist und bleibt der Weg an die Wein-Weltspitze ein hartes Stück Arbeit." erklärt Stefan Doktor. Bis sich erste Erfolge ihrer Arbeit einstellten, benötigten Stefan Doktor und Marcel Szopa vor allem eines: Geduld. Denn obwohl es bereits 2017 positive Bewertungen gab, dauerte es noch zwei weitere Jahre, bis aus Gegen- endlich Rückenwind wurde.

„Die Auszeichnungen in den Wettbewerben, die Bewertungen der Kritiker geben uns und unserer Arbeit recht. Endlich erfahren wir die Bestätigung, die wir uns erwünscht haben. Die Ratings der vergangenen Monate waren wirklich sehr gut – für unsere Weine und für das Schloss als Destination für Weintourismus“, so Szopa. Oder, anders gesagt: Wenn es um Riesling geht, kommt niemand mehr an Deutschland – und schon gar nicht am Schloss Johannisberg – vorbei.

„Unser Ziel ist es, mit unseren Weinen Aha-Erlebnisse zu schaffen. Nicht nur bei Kritikern, sondern vor allem bei unseren Kunden. Unser Qualitätsanspruch endet beim Kunden im Glas und keinen Moment früher. Wer einen Schloss Johannisberg-Riesling trinkt – egal, ob Gelb-, Bronze-, Silber- oder Goldlack – wird sich morgen noch an den Geschmack des Weins erinnern. Davon sind wir überzeugt. Wir wollen mit unseren Weinen Begeisterung transportieren und orientieren uns dabei nicht am gängigen Weinmarkt“, ergänzt Stefan Doktor, der weiß, dass diese Einstellung durchaus für Reibung sorgen kann.

 

„Wir sind hier nicht angetreten, um ‚Everybody’s Darling‘ zu werden. Es ist nicht unser Anspruch, gefällige oder gar austauschbare Rieslingweine zu kreieren, sondern Einzigartiges zu schaffen. Und wir wissen, dass wir dafür gegen den Strom schwimmen, das klassische Schubladendenken des Weinanbaus ablegen müssen. Zusammen mit Michel Städter, Leiter Weinbau, und Gerd Ritter, Kellermeister, gelingt es uns bereits sehr gut, über gängige Grenzen hinauszugehen. Nur so kann Schloss Johannisberg zum Vorbild, zur Ikone, zum Maßstab für hochwertigen Riesling werden.“

Wer Stefan Doktor und Marcel Szopa kennenlernt, spürt schnell, mit welcher Leidenschaft sie sich ihrer Arbeit auf Schloss Johannisberg verschrieben haben. „Wie sagt man so schön? ‚Beruf kommt von Berufung.‘ Wir ergänzen uns gegenseitig, wir können gut Kritik üben, wir sind ehrlich zueinander. Und wir teilen die absolute Begeisterung und Liebe für Riesling, obwohl wir keine Rheingauer sind“, lacht Szopa – wohl wissend, dass der Weg zur Weltspitze trotz des bereits Erreichten noch ein weiter ist. Er führt fort:

"Wir haben den Namen Schloss Johannisberg und die Weinkollektion, die diesen Namen trägt, in den vergangenen Jahren bereits auf ein neues Niveau gehoben. Und wir wissen: Sobald man die Weltspitze erreicht hat, wird es noch härtere Arbeit, dort zu bleiben, die Position zu festigen. Das Ziel ist und bleibt für uns ein ambitioniertes, für das wir hier täglich alles geben. Unser Anspruch ist Perfektion."

 

Besucher haben das gesamte Jahr über die Möglichkeit, selbst mit diesem Anspruch in Berührung zu kommen – zum Beispiel bei einer Weinprobe im historischen Schlosskeller, in dem sich mit der „Bibliotheca Subterranea“ eine wahre Schatzkammer befindet. Allein hier, im 900 Jahre alten Abteikeller, lagern mehr als 25.000 Weine – der älteste aus dem Jahr 1748.

Wer sich weniger für die unterirdischen Kellergänge interessiert, kann es sich stattdessen oberirdisch gemütlich machen – bei einem Picknick im Weinberg oder bei einem Besuch der Schlossschänke, die seit Oktober 2020 vom Schloss selbst geführt wird. „Unser Konzept: Hochwertige regionale Küche mit Zutaten aus der Region. So bieten wir saisonal Wild aus dem nördlich gelegenen Schlosswald an. Aus diesem Wald stammt auch das Holz, aus dem die Weinfässer hergestellt werden, in denen unser Spitzenriesling entsteht“, so Stefan Doktor.

Events, Konzerte, Märkte, Hochzeiten, Shop, Vinothek – nicht ohne Grund werden auf Schloss Johannisberg die unterschiedlichsten Formate angeboten. „Wir wollen Erlebnisse schaffen, wollen Menschen zum Wiederkommen bewegen. Der schöne Ausblick allein? Reicht dafür nicht aus“, betont Doktor einmal mehr, dass man sich nicht auf der Schönheit des Schlosses ausruhen dürfe.

 

Der Johannisberg-Wein wird in die ganze Welt exportiert

Dass das Konzept aufgeht, zeigen wachsende Besucherzahlen und steigende Presseanfragen. Egal, ob es um die Anfrage eines Wein-Fachmagazins oder um einen Fernsehbeitrag geht: Doktor und Szopa brennen dafür, das Schloss Johannisberg und seine Rieslingkollektion zu präsentieren – im In-, genauso wie im Ausland.

So erfolgt ein Drittel der Abverkäufe am Standort selbst, ein weiteres Drittel nimmt die gehobene Gastronomie in Deutschland ab. Das letzte Drittel findet seinen Weg schließlich über die Landesgrenzen und wird insbesondere in die USA, nach China, Skandinavien und Großbritannien exportiert. "In Großbritannien profitieren wir stark von den hochrangigen Wettbewerbsergebnissen und der damit verbundenen Berichterstattung", so Szopa. Ein kurzer Gang über den Schlosshof, ein schneller Blick über die Reben.

Szopa und Doktor nicken zufrieden. In den vergangenen Tagen ist es kühler geworden, ein gutes Zeichen – wissen die Profis. Sollte es nicht wieder regnen, kann es morgen weitergehen. Mit der Lese. Und mit dem nächsten, dem 301. Riesling-Jahrgang auf Schloss Johannisberg.

 

Schloss Johannisberg erleben

Weinprobe

Erleben Sie eine Führung durch den imposanten Schlosskeller und verkosten Sie drei ausgewählte Weine. *Auf Anfrage auch als individuelle Führung oder Gruppenführung möglich, 25 € pro Person

Vinothek

Inmitten der Schlossanlage probieren Sie verschiedene Weine von Schloss Johannisberg – mit persönlicher und professioneller Beratung. Anschließend können Sie entspannt im Shop einkaufen.

Weinstand am Goetheblick

Ein Glas Riesling, eine Kleinigkeit zu essen und ein einmaliger Blick über das Rheintal – mehr braucht es manchmal nicht für ein perfektes Erlebnis. Bei gutem Wetter geöffnet.

Picknick

Lassen Sie die Seele baumeln und genießen Sie ein Picknick zu zweit – inmitten unserer Weinberge. Der gut gefüllte Picknickkorb ist am Weinstand erhältlich. 29,50 € plus Wein nach Wahl

Aktuelle Angebote und Events gibt es auch unter www.schloss-johannisberg.de.

Ein Artikel
aus der Pearls!

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