Ungarns Champagner

Zu Gast bei Törley

»Wer alle Verzweigungen kennt,

kann hier unten einen

Halbmarathon laufen«

 

Wer sich auf den Weg macht, die Törley Sektkellerei in Budapest zu besuchen, fühlt sich unmittelbar beim Betreten des Gewölbekellers in längst vergangene Zeiten versetzt. Kühl ist es hier — und feucht. »Ein perfekter Keller eben«, lacht András Csomay, und begrüßt den fröstelnden Besucher mit einem wärmenden Händedruck. Als Produktmanager der Törley Sektkellerei weiß Csomay um die Besonderheiten des alten Gebäudes bestens Bescheid und nimmt den Gast sogleich mit auf eine Führung durch die langen Gänge. »Wer alle Verzweigungen kennt, kann hier unten einen Halbmarathon laufen«, beschreibt der ­Ungar anschaulich die 21 Kilometer Wegstrecke, die sich auf drei Etagen in der Tiefe verteilt. Auf jeder Ebene lagern  —  gehüllt in absolute Dunkelheit und beeindruckende Stille  —  tausende von Flaschen, einige frisch-glänzend, andere mit einer matten Staubschicht überzogen. Je nach Gärungsmethode verbringen die Flaschen an diesem Ort mehrere Monate bis Jahre, liegen sie ordentlich aufgereiht nebeneinander oder stecken sie ­nahezu kopfüber in hunderten von Holzregalen.
»Unser Premium-Sekt François Président Brut wird hier im tradi­tionellen Flaschengärverfahren hergestellt. Dabei findet die sogenannte zweite Gärung, bei welcher die Cuvée aus Chardonnay und Pinot Noir mit Zucker und Hefe versetzt wird, in der Sektflasche statt. Anschließend sammelt sich die Hefe durch Abrütteln im Flaschenhals, ehe sie beim Degorgieren entfernt wird«, erläutert Csomay die Methode, die auch bei der Herstellung von Champagner zum Einsatz kommt.

Champagner — immer wieder fällt dieser Begriff, das Wort, das wohl schon längst zu einer übergeordneten Marke für Premium­Schaumwein geworden ist. »Dürften wir François Président Brut Champagner nennen, würden wir es tun«, scherzt ­Csomays Kollegin Eszter Molnár, die das Unternehmen als PR- und Produkt­managerin in der Öffentlichkeit vertritt. Doch wer hier echten Neid wittert, hat weit gefehlt — schließlich zollt man den französischen Kollegen höchsten Respekt für die Qualität ihrer Produkte. »Und überhaupt«, bekräftigt Molnár, »weiß ein jeder bei Törley, dass man stolz sein kann, auf diesen einzig­artigen ungarischen Sekt, den József Törley gemeinsam mit Kellereimeister Louis François entwickelt hat.« Dabei erkannte der Pionier, der sein Wissen bei einem der renommiertesten Champagner-­Häuser Frankreichs sammelte, schon vor über einhundert ­Jahren, dass die Kalksteinböden der ungarischen Region Etyek-Buda denen der Champagne gleichen. Noch heute stammen die Trauben für das Premiumprodukt, das zu den Pearls of Europe der Henkell & Co.-Gruppe zählt, aus der bedeutendsten Weinregion Ungarns. »Für das gesamte Produktportfolio der Törley Sektkellerei, zu dem auch Marken wie Chapel Hill und Hungaria gehören, bauen wir Wein auf über 900 Hektar Fläche an«, ergänzt András Csomay. 25 Jahre ist es nun her, dass die Törley Sektkellerei als erstes internationales Unternehmen Teil der Henkell & Co.-Gruppe wurde — im Jahr  1992. Auch dieser Meilenstein ist im Törley-­Museum, das direkt auf dem Gelände der Sektkellerei liegt, verewigt worden. Zahlreiche spannende Relikte aus der Unternehmensgeschichte erwarten den Besucher, der sich innerhalb der Ausstellung wie durch einen überdimensionalen Sektkorken, eine Sektflasche und ein Sektglas bewegt. »Immer mehr Menschen haben Lust auf einen Blick hinter die Kulissen«, erzählt Eszter Molnár, »deshalb arbeiten wir fleißig an neuen Ideen. Zukünftig möchten wir beispielsweise Audioguides anbieten, damit noch mehr Besucher etwas über Törley als älteste Sektkellerei Ungarns lernen können.«

All das hatte József Törley wohl noch nicht im Sinn, als er 1882 sein Unternehmen gründete. Doch das Rezept für den Erfolg der Kellerei? Stammt bis heute vom Gründer selbst.

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