Stadthonig aus Münster

Wenn man sich einen Biolehrer vorstellen sollte, der auch Chemie unterrichtet, auch Sport "gibt", wie man so sagt, dann sähe er aus wie Ralf Waanders. Ein Naturtyp, rotblondes Haar, Bart, dünn, drahtig. Einer, der mit dem Rad in den Urlaub radelt, der zeltet, sich in der Natur zu Hause fühlt.

Alles ausgemalt in der Fantasie, aber der 39­jährige entspricht bei unserem Zusammentreffen dann doch dem Idealbild des Biolehrers, des Naturkundigen. Wir treffen uns am Mövenpick Hotel, am größten Hotel Münsters. Genauer wäre es, wenn wir sagten, wir treffen uns nicht am, sondern auf dem Hotel. Denn Waanders schnappte sich fünf seiner Völker und stellte sie dahin, wo sie niemand vermutet. Mitten auf das Dach. Was sich hier für den Laien eher als bienenfeindlich anfühlt, ist eine klasse Startbahn. Von hier aus starten die gelb­schwarzen Tiere, brauchen nicht weit, um die nächsten Blüten zu erreichen. Der Imker spricht von Trachten, von Blüten, die direkt in der Stadt stehen. Gegenüber im Wald, ein paar Meter entfernt auf der Promenade, in angrenzenden Schrebergärten, auch da, wo man viele Blumen aus traurigem Anlass sieht. Der Friedhof gilt nicht ohne Grund als Geheimtipp unter Imkern - hier blüht eigentlich immer etwas. Wenn sie müssen, dann fliegen Bienen bis zu fünf Kilometer weit auf ihrer Suche nach Nektar. Hier oben müssen sie nicht. Von hier oben aus geht es schneller, leichter, näher. Der Trend, Bienen in der Stadt anzusiedeln, kommt wie so häufig aus New York. Hüpfte rüber nach Paris, weiter in die Metropolen, die längst auch blühen, einen Lebensraum fernab der Monotonie der Raps­ und Maisfeldkulturen auf dem Lande bieten. Es ist eine Wundertüte, die sich da über den Dächern Münsters ergibt. Alles Überraschung.

Als Biologielehrer weißt du, dass die Überraschungen der Natur die schönsten sind. Als Hobbyimker ahnst du: Es gibt Wichtigeres, als den maximalen Ertrag zu erzielen. Mit 20 Kilogramm pro Volk kannst du rechnen. Wenn alles glatt läuft. Aber es läuft eigentlich nie alles glatt, der Sommer ist nie planbar, die Blütentrachten schon gar nicht. Und macht es das nicht aus? Langnese schmeckt in jedem Glas gleich. Der Honig von Ralf Waanders Bienen immer anders. Zu kaufen gibt es den Honig aus der Höhe, der gerade bei der Bewertung des Landesverbandes
mit Gold für Frühlings­ und Sommerhonig ausgezeichnet wurde, direkt unten an der Rezeption oder auch hier:

www.stadthonig-muenster.de