DIE NACHT ZUM TAGE GEMACHT

» OFFIZIELL WAR HIER UM 2 UHR IN DER FRÜH SCHLUSS. GEFEIERT? WURDE ABER WEIT DARÜBER HINAUS. «

»Da hilft nur Erfahrung. Und natürlich eine ordentliche Portion Optimismus, damit wir am Ende nicht ohne Sekt da stehen«, erzählt die Henkell-Eventmanagerin, die so bereits ihre fünfte Olympiateilnahme vorbereitete.
Am Ende entschied sie sich für 1.500 Faschen Henkell Trocken und für 100 Doppel-Magnum Siegerflaschen, die den Siegern in die Hand gedrückt werden sollten. »Man kann natürlich noch ein so guter Kenner der Szene sein, aber es ist immer ein Wagnis, die passende Anzahl festzulegen«, sagt die 50-Jährige. Im November waren noch nicht einmal die letzten Qualifikationswettwerbe entschieden, stand die Mannschaft nicht komplett fest. »Am Ende aber hat alles gepasst – auch wenn in diesem Jahr noch mehr als sonst gefeiert wurde«, so die Eventmanagerin, die 19 Tage lang mittags ins Deutsche Haus fuhr und »erst sehr, sehr spät Feierabend« machen konnte. Denn die Wettkämpfe und Medaillienzeremonien fanden erst zu später Stunde statt, dann noch zur Dopingkontrolle, zum Shuttleservice und schnell waren die Öffnungszeiten des Deutschen Hauses nur eine Formalie. »Offiziell war hier um 2 Uhr in der Früh Schluss. Aber das hat glaube ich niemand so wirklich ernst genommen«, erzählt Heike Woyczyk lachend. Die reiste mit ihrer Nichte Jessica nach Südkorea, die ab und zu für Henkell Events aushilft und dafür sorgte, dass der Sekt erst durch die Luft spritze, ehe die Reste aus den riesigen Flaschen in Gläser gefüllt wurden. »Eine Indoor-Sektdusche ist natürlich eine kleine Herausforderung«, so die Eventma- nagerin, die sich aber Abend für Abend ansehen konnte, wie diese gemeistert wurde. »Dass wir gleich am ersten Tag zwei Goldmedaillen feiern konnten, war natürlich spitze für die Stimmung« – und auch das Vorurteil, dass Mannschaften deutlich ausgelassener als Einzelsportler feiern, bewahrheitete sich in Südkorea nicht. Insgesamt 14 goldene, 10 silber- ne und 7 Bronzemedaillen gewann das Deutsche Team, das es bei dieser Winterolympiade nicht weit zum Deutschen Haus hatte.

»WIR WAREN WIRKLICH SEHR NAH DRAN AM OLYMPISCHEN DORF, SO DASS DIE SPORT- LERINNEN UND SPORTLER ZUM ESSEN UND SOGAR ZUM TRAINIEREN ZU UNS KAMEN«, berichtet Heike Woyczyk.

Im Deutschen Haus war dafür extra ein Fitnessraum eingerichtet worden, der sehr gut angenommen wurde. Doch es kamen nicht nur Sportler mit dem Bundesadler auf der Brust ins Deutsche Haus. »Bei dieser Olympia haben richtig viele ausländische Sportlerinnen und Sportler hier mitgefeiert. Und das ist doch wirklich ein Leben des Olympischen Gedankens, alle waren sehr herzlich willkommen und selbst Lindsay Vonn kam am letzten Tag der Spiele vorbei, weil sie von der ausgelassenen Stimmung über die Ländergrenzen hinweg bei uns gehört hatte«, freute sich Heike Woycyk, die am Ende 60 Magnumflaschen ausgeteilt hatte. In London nahmen einige Sportler diese noch im leeren Zustand als Andenken mit, »hier aber wanderten alle ins Altglas, weil sie im Gepäck dann wohl doch zu viel Platz weggenommen hätten«. Ihren Dienst hat- ten die Henkell-Flaschen aber bis dahin längst erfüllt. Die Fotos gingen um die Welt, die Sportlerinnen und Sportler genossen das Bad in der Menge, den Gang auf die Bühne, die Sektdusche und das Feiern.

Allen Medaillengewinnern konnten die beiden Henkell-Mitarbeiterinnen herzlich gratulieren, auch wenn sie nur ganz wenige von ihnen in Aktion sehen konnten. »Am Ende waren wir getrennt voneinander beim der alpinen Ski-Abfahrt, beim Biathlon und beim Eishockey. Mehr Zeit war leider nicht«, so Heike Woyczyk, die auch sonst nicht allzu viel vom Land mitbekam. Ein sehr gut organisierter Shuttleservice holte die beiden am Hostel ab, das extra für Olympia gebaut worden war. »Das war vollkommen okay, auch wenn man nicht denken sollte, dass Olympia Luxus bedeutet«. Beim Essen im Deutschen Haus setzte der Caterer eher auf deutsche Gerichte. »Das war natürlich etwas schade, aber das koreanische Essen ist schon sehr scharf, das wäre vielleicht dem ein oder anderen Athleten nicht gut bekommen«, erzählt die Eventmanagerin. So blieb nur wenig Zeit und Raum, um das Landestypische zu erkunden – und das wird sich in zwei Jahren wohl fortsetzen. »Die Verträge sind schon unterschrieben, 2020 bei der Sommerolympiade in Tokyo werden die Sieger auch wieder mit Henkell trocken feiern«, sagt Heike Woyczyk und kann eigentlich schon jetzt beginnen zu errechnen, wie viele Flaschen sie dann wohl auf die Reise schicken wird. Und auch selber wird sie wieder ins Flugzeug steigen. »Ich gehe fest davon aus, dass ich auch nach Tokyo reisen und dann an meinen ganz persönlichen sechsten olympischen Spielen teilnehmen werde.«