BAR42

GARNICHT ABGEHOBEN

WIE VIELE METER ES HIER UNTER DIE ERDE GEHT, WEISS ER GAR NICHT SO GENAU. DREISSIG, VIERZIG STUFEN – VIELLEICHT AUCH MEHR. »ENTSCHEIDEND IST DOCH, WO DU ANKOMMST«, SAGT ER DANN UND VERSCHWINDET IN DER DUNKELHEIT.

Er, das ist Carl-Michael Ott. So steht es im Glaskasten, der oben neben der Eingangstür hängt, ganz offiziell. Betreiber der BAR ZWEIUNDVIERZIG. Seit nunmehr drei Jahren sein Job. Freitags und samstags ab 21 Uhr geöffnet, geschlossen spätestens um 5 Uhr in der Früh. Nur ein paar Gehminuten entfernt, mitten in der Nürnberger Altstadt, sein zweiter Laden: OL’ DIRTY URBAN SOUNDBAR. Genau dort, wo Ott seine erste Stammkneipe fand, als er 1995 von Regensburg nach Nürnberg kam. Carl-Michael, so nannte ihn schon damals niemand.

Stattdessen machte er sich als Charly schnell einen Namen in der Stadt. Arbeitete als Konzepter in einer Werbeagentur, entwickelte Ideen für unterschiedlichste Kunden und Branchen. Bis er irgendwann keine Lust mehr hatte. Keine Lust mehr auf die Oberflächlichkeit, die in der Werbewelt herrschte, keine Lust mehr auf die Überstunden. »Das war natürlich ein schleichender Prozess«, erinnert sich der 40-Jährige an die Zeit zurück, in der seinen Job schließlich an den Nagel hängte – und das ohne Plan B. Was nach einem naiven Schritt klingt, bescherte ihm vor allem eins: Freiheit.

»Schau dich mal hier unten in der BAR ZWEIUNDVIERZIG um, wenn die Hütte voll ist«, setzt Ott zum Vergleich an. »Wir sind hier in einem Gewölbekeller. Kein Handyempfang. Kein WLAN. Hier unterhalten sich die Gäste ohne ständigen Blick aufs Smartphone miteinander, hier ist alles für ein paar Stunden lang analog. Und genau eine solche Auszeit brauchte ich damals für mich«. Schließlich zog es ihn auf die Malediven – und damit hinein in eine ganz andere Welt. Der Druck nahm ab. Die Last auf den Schultern wurde leichter. Und die Lust auf Neues wuchs Tag für Tag in ihm heran. Abends verdiente Charly sein Geld als DJ CTA, tagsüber tauchte er oftmals ab. In der Stille unter Wasser gaben auch die Gedanken schnell Ruhe. »Ich konnte in dieser Zeit vieles für mich ordnen«, erzählt Charly, während er Zitronensaft, Triple Sec und Brandy hervorholt, »dennoch hätte ich nie gedacht, dass ich eines Tages zwei Bars betreiben und selbst hinter der Theke stehen würde«, lacht er und schüttet die Zutaten in einen Cocktailshaker.

Bekannt ist die BAR ZWEIUNDVIERZIG in Nürnberg nicht nur für Cocktails und Longdrinks, sondern vor allem auch für bayerische und fränkische Biere sowie für hausgemachte Schnäpse. Dutzende »Stamperl« wandern allabendlich über die Theke. »Besonders beliebt ist unser ›Pangalaktischer Donnergurgler‹, der – wie die 42 – eine Hommage an ›Per Anhalter durch die Galaxis‹ ist«, so Ott.

Abgehoben? Ist hier in der Bar dennoch nichts und niemand. Am Eingang wartet kein Türsteher, kein Kassierer. Unten gibt’s vor allem soulige Musik auf die Ohren. 80er. Vinyl, aufgelegt von wechselnden DJs. Die obligatorische Discokugel wirft bunte Lichtsprenkel an die weiß verputzten Wände. Wer mag, der tanzt hier. Oder kickert, was das Zeug hält. »Mir sind Vibes wichtig«, sagt Ott und erzählt von seinem ersten Besuch in der Bar, die vor knapp sieben Jahren eröffnet wurde. Schon damals erkannte er, dass die Location anders war als viele in Nürnberg: »Hier ist es egal, ob du 25, 55 oder 70 Jahre alt bist. Ob Punk oder Konzernmanager. Wer in die BAR ZWEIUNDVIERZIG kommt, möchte einfach eine gute Zeit haben. Ohne Einlasskontrolle, ohne Dresscode. Und weg vom Einheitsbrei.«

 

WÄHREND CHARLY VON DER ANSTEHENDEN WEINREISE IN DIE PFALZ BERICHTET, SEINE SKIPPERAUSBILDUNG AUF DER EISIGEN OSTSEE IM LETZTEN FRÜHJAHR BILDHAFT AUSMALT UND LEIDENSCHAFTLICH VOM WUNSCH, ENDLICH EINEN JAGDSCHEIN ZU MACHEN, ERZÄHLT, STEIGEN WIR LANGSAM DIE TREPPEN HINAUF. ZURÜCK IM TAGESLICHT, KNEIFEN WIR KURZ DIE AUGEN ZUSAMMEN, BEDANKEN UND VERABSCHIEDEN UNS. »ENTSCHEIDEND IST DOCH, WO DU AN KOMMST« , HALLT ES IN UNS NACH, ALS WIR CHARLY HINTERHER SCHAUEN – LÄNGST UNTERWEGS MIT DER NÄCHSTEN IDEE.

BAR42
Josephspl. 32
90403 Nürnberg

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