Auf der Sonnenseite

Langsam nähert sich ein leises Tuckern aus der Ferne und durchbricht die Stille. Während der Blick auf das Stammhaus der Kellerei Segura Viudas fällt und weiter zu den umliegenden Weinreben schweift, fährt schließlich ein kleiner Traktor vor – den Anhänger voll beladen mit Weintrauben, die in der spanischen Sommersonne grüngelb leuchten. »Die Weinlese hat vor etwa einer Woche begonnen«, ruft Toni Domenèch, Produktmanager bei Segura Viudas, über den Hof – und lädt kurzerhand zum Probieren ein.

Die kleinen Trauben der Rebsorte Xarel.lo zergehen auf der Zunge und schmecken angenehm süß. »Xarel.lo gilt als die charaktervollste Traube Kataloniens. Sie reift früh und ist eine der wichtigsten Trauben für die Herstellung von Cava«, erzählt Toni Domenèch auf dem Weg zur ersten Qualitätskontrolle, welche die Trauben nun durchlaufen, ehe sie abgeladen und zu Saft gepresst werden.

»Zu Beginn prüfen wir unter anderem den Zuckergehalt der Weintrauben«,

erklärt Domenèch und begrüßt weitere wartende Weinbauern herzlich per Handschlag. Immer mehr kleine Traktoren erreichen nach und nach den Hof der Cava-Kellerei, die etwa vierzig Autominuten vor den Toren Barcelonas liegt.

»Wir legen Wert auf einen familiär-­freundschaftlichen und respektvollen Umgang mit unseren Weinbauern. Die meisten von ihnen verbindet bereits eine jahrzehntelange Geschichte mit Segura Viudas. Wir schenken uns gegenseitig großes Vertrauen.«

Neben Xarel.lo bilden die weißen Rebsorten Parellada und Macabeo die wichtigste Grundlage für die Herstellung von hochwertigem Cava. Genauso wie Freixenet liegt die Kellerei Segura Viudas inmitten des Penedès, der bedeutendsten Weinregion Kataloniens im Nordosten von Spanien. Das gesamte Gebiet umfasst mehr als 30.000 Hektar Rebfläche. Dabei unterteilt sich der Boden – von der Küste aufsteigend – in die Zonen Baix Penedès, Mitja Penedès und Alt Penedès.

»Unsere Region zeichnet sich durch ein mediterranes Klima aus, das besonders aromatische Weine hervorbringt.«

Zur Kellerei Segura Viudas gehören etwa einhundert Hektar Land, bedeckt mit Pinien- und Olivenbäumen und Weinreben, die im Durchschnitt dreißig Jahre alt sind. In den nächsten vierzig bis fünfzig Tagen werden wir hier knapp eine Million Kilo­gramm Weintrauben pro Tag ernten und weiterverarbeiten«, erläutert Domenèch mit Blick über die Weinberge, die auch für Besucher zugänglich sind. Jährlich kommen etwa 3.000 Menschen nach Torrelavit, um mehr über Segura Viudas und die traditionelle Herstellung von Cava zu erfahren – Tendenz steigend. »Wir bieten Besuchern verschiedenste Möglichkeiten, die Kellerei zu entdecken und kennenzulernen«, so Silvia Ros, PR-Managerin bei Segura Viudas, »besonders beliebt ist dabei unsere geführte E-Bike-Tour durch die Weinberge. So erfährt man buchstäblich alles Wissenswerte rund um das, was Segura Viudas auszeichnet.«

Ein wichtiger Aspekt ist dabei die kontinuierliche Weiterentwicklung des Unternehmens – insbesondere, wenn es um Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz geht.

So arbeitet die Kellerei, die 1957 von Manuel Segura Viudas gegründet und 1982/83 von der Familie Freixenet gekauft wurde, beispielsweise schon seit fünfzehn Jahren komplett ohne Pestizide. »Wir sehen, dass dadurch die Artenvielfalt in unsere Weinberge zurückkehrt – ein gutes Zeichen, das uns in unserem Handeln bestätigt. Weiterhin betreiben wir auf unserem Gelände eine eigene Anlage zur Wasseraufbereitung. Unser Ziel bei Segura Viudas ist es, schon bald hundert­prozentig organisch zu arbeiten«, so Toni Domenèch. Für die Erreichung dieses Ziels und für die Herstellung hochwertiger Cavas, die weltweit begehrt sind, arbeiten neben Domenèch und Ros knapp 150 weitere Menschen bei Segura Viudas – in der Produktion, der Verwaltung und in der Logistik. Jährlich verlassen bis zu sieben Millionen ­Flaschen das Stammhaus, in dessen Keller mehr als doppelt so viele Flaschen lagern.

»Segura Viudas ist nicht nur in ­Spanien beliebt. Siebzig Prozent der Flaschen exportieren wir Jahr für Jahr ins ­Ausland.«

Unsere wichtigsten Märkte sind die USA, Kanada, Japan, Belgien und die Niederlande«, erklärt Domenèch beim Gang durch das drei Hektar große, tunnelartige Kellersystem, in dem der Cava in Ruhe und Dunkelheit gärt. »Unser Sortiment umfasst fünf verschiedene Weine und sieben verschiedene Cavas. Unser Premiumprodukt ist der Reserva Heredad, der zu den Top-Schaumweinen der Welt gehört«, sagt Silvia Ros und zeigt auf eine elegante grüne Flasche mit einem massiven Fuß aus Eisen, die den Cava auch optisch vom Rest der Range abhebt. Bis die sogenannte »zweite Gärung« in der Flasche abgeschlossen ist, vergehen mindestens neun Monate; nach fünfzehn Monaten gelten die Cavas als Reserva, nach dreißig Monaten als Gran Reserva – so wie beispielsweise der Reserva Heredad. Unabhängig von der Dauer der Flaschengärung sorgt im Anschluss ein Rüttelprozess dafür, dass sich die Hefe langsam im Flaschenhals absetzt, wo sie eingefroren und durch das Öffnen der Flasche entfernt wird. Zuletzt wird der Cava mit einer Versand-Dosage aufgefüllt und verkorkt, ehe er sich auf den Weg zu Kunden aus aller Welt macht.

Wieder im Tageslicht angekommen, ­fahren gerade einige Traktoren vom Hof der Kellerei.

Ihr gleichmäßiges Tuckern entfernt sich langsam in Richtung der Weinberge, wo weitere Trauben auf die Lese warten. »Morgen sehen wir uns wieder«, ruft Toni Domenèch den Weinbauern hinterher – und winkt lächelnd zum Abschied.

»UNSER URSPRUNG, UNSERE WURZELN SIND IN VALDOBBIADENE – UND ITALIEN IST UND BLEIBT EINER UNSERER WICHTIGSTEN MÄRKTE.

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