Vom Weinberg ins Netz

Hier, tief unter der Erde, umgeben von Gestein und Wasser, vom Gluckern der vor sich hin gärenden Traubenernte 2017 schlug das Herz des Weinbloggers nicht nur höher, sondern auch viel schneller.

Die Blogger, die sich hier auf eine etwas andere Weinreise begeben hatten, gehören zum Kreis derer, die Webseiten, Profile und Blogs betreiben, die von echten Wein- und Sektkennern aufgesucht werden, um ihr Wissen noch zu vergrößern. Der Kenner weiß, dass dieses Jahr ein extremes für den Weinanbau war. Dass der trockene Frühling, der nasse Herbst den Trauben zugesetzt haben. Aber weiß er auch, dass die Weinpflanzen noch nie so früh ausgetrieben sind wie in diesem Frühjahr? »Und das gilt seit der Wetteraufzeichnung«, erzählte Michael Städter den staunenden Bloggern. Der Leiter des Weinbaus auf dem traditionsreichen Schloss nahm die Gäste mit auf einen ausgedehnten Spaziergang durch den Weinberg, zeigte die Reben, die trotz der frühen Lesezeit noch nicht geerntet wurden. »Wir haben die Hoffnung, dass wir in diesem Jahr Eiswein ernten können«, so Städter, der anfügte, dass dies das letzte Mal 2008 und 2002 gelang. Wie exklusiv diese Weine sind, lässt sich gut an dem in beiden Jahren gewonnenen Ertrag ermessen. Gerade einmal 500 Liter Eiswein konnten hier produziert werden. Bei all diesen Insider-Informationen blieben die Smartphones der Blogger meist in den Rucksäcken und Taschen, wurde entweder professionell mit Spiegelreflexkameras fotografiert oder erst einmal zugehört, aufgeschrieben, ehe später die passenden Bilder geschossen wurden. So erfuhren die Gäste, dass auf Schloss Johannisberg nur per Hand gelesen wird, dass die Menge in diesem Jahr zwar klein, dafür aber die Qualität sehr hoch ausfallen dürfte. Damit hier nicht nur Theoretisches weitergegeben wurde, ging es für die Blogger nach dem Besichtigungsteil an frischer Luft in den Keller, in dem Stefan Doktor, Geschäftsführer auf dem Schloss, erst einmal das CO2-Warngerät aktivierte. »Hier muss man schon aufpassen, dass mit der Luft alles in Ordnung ist – aber mit diesem Gerät sind wir auf der ¬sicheren Seite«, warnte und entwarnte er gleichzeitig. Nach einem Exkurs in die Historie von Gebäude und Weinanbau auf dem Schloss am Rhein konnten die Blogger bei Kerzenlicht zum Glas greifen. Erst einige Wochen lagerte der Traubensaft in den Eichenfässern, »und doch kann man schon erahnen, welch ein Aroma er in den kommenden Wochen und Monaten der Vergärung entfalten wird«, so Stefan Doktor. 

In die Jahre gekommen

Dieser tiefe Einblick hinter die Kulissen der Wein- und Sektproduktion wurde noch intensiviert, als es für die Gäste eine weitere Etage tiefer in den Keller ging. »Hier findet sich unser Heiligtum«, erklärte Stefan Doktor und gab den Blick frei auf eine Weinbibliothek, die Flaschen auch aus dem 19. Jahrhundert beinhaltet. Spätestens hier klicken dann doch die digitalen Auslöser der Smartphones, ratterten die Spiegelreflexkameras, um festzuhalten, was sich da hinter schmiedeeisernen Stäben nur wenigen neugierigen Blicken zeigt. Zu einer echten Reise durch die Welt des Weines gehört natürlich auch eine Weinprobe, die den perfekten Höhepunkt der Bloggertour bildete. Nicht nur die Weine – allesamt aus dem Jahr 2016 – begeisterten. Sondern vor allem die vielen Geschichten und Anregungen, das Fachwissen und die Art, wie Stefan Doktor durch die Probe, von Wein zu Wein führte.

Am Ende waren Notizbücher und Speicherkarten prall gefüllt, wussten die Blogger und Weinexperten, warum Schloss Johannisberg zu Recht als Deutschlands erstes Riesling-Weingut bekannt ist. Und erfahren nun Zehntausende von Lesern, was es so besonders macht, warum hier immer noch gut die Hälfte der Trauben in Eichenfässern gärt und ein Riesling eine so besondere Rebsorte ist. »Wir müssen immer für unsere Weine, für unsere Wahrnehmung kämpfen. Ab heute wissen Sie, warum wir das so gerne und leidenschaftlich tun«, so Stefan Doktor mit einem Augenzwinkern zu seinen begeisterten Bloggergästen.

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