Mit den Schlittenhunden durch Lappland

-40 Grad

67° 51´ 17´´ N

20° 13´ 22´´ E

Birgit Homburg ist eigentlich wärmeres Wetter gewöhnt. Geboren und aufgewachsen mitten in Nordrhein-Westfalen. Mit 12 Jahren das erste Mal die nicht zu beantwortende Frage, was sie eigentlich mal werden wolle. Dann die Ausbildung zur Industriekauffrau, sie sollte halt das ordentliches werden. Geklappt, hat das nicht. Wenn man unsere Maßstäbe ansetzt. Die Lehre brache sie ab, gen Norden brach sie auf, erst als Au-Pair, dann der Liebe wegen. Hoch oben im Norden fand sie, was sie hier vergeblich suchte. Stille. Einsamkeit. Weite. Sonst ist da niemand. Vielleicht mal ein Elch. Die Wegbeschreibung zu Birgit Homburg und ihren Schlittenhunden besteht zum größten Teil aus „immer geradeaus“. Dann rechts, 20 Kilometer links und es geht rein in ein Dorf, in dem fünf Menschen leben. Und 55 Huskys. Am nächsten Morgen zerren drei Rüden und zwei Hündinnen aufgeregt an der Leine, die sie mit dem Schlitten verbindet. Sie stehen auf den Hinterbeinen, bellen, jaulen, heulen. Lass es endlich losgehen. Ein leichter Ruck, die Pfoten krallen sich in den Schnee und los geht eine Fahrt, die Birgit Homburg seit Jahren erfolgreich vermarktet.

Es dauert ein wenig, bis der Blick über die einsam aus der Landschaft herausragenden Bäume fällt, sich die gelbe Sonne, die nur ein paar Stunden knapp über dem Horizont hervor lugt, in den Augen widerspiegelt. Zwei Renntiere galoppieren über die festgefahrene Schneepiste.

Wieder zuhause angekommen - der Bollerofen glüht orange, Kaffee dampft, Rentierburger wärmen Hände und Magen, beginnt Birgit Homburg zu erzählen. Wie wunderbar einsam es hier ist. Niemand, der stört. Keiner da, der etwas von einem will. Man könne hier einfach leben. Und die Betonung liege auf einfach. Im eigenen Kühlhaus liegt der selbstgeschossene 700 Kilo Elch, in der Tiefkühltruhe warten hart gefrorenen Lachse und Hechte darauf, aufgetaut und zubereitet zu werden. Es sei die richtige Entscheidung gewesen. Alles abzubrechen, hinter sich zu lassen. Kein Zurück mehr, kein Gedanke mehr daran. Einmal im Jahr der Besuch bei der Mutter. Dann aber wieder Lappland, wieder die Wildnis, 55 Hunde, die früh morgens, spät abends gefüttert, versorgt werden wollen. Längst haben die Reiseveranstalter Birgit Homburg auf Zettel und Rechnung, wenn Hundeschlittenfahren in seiner ursprünglichen Form, dann hier. Vier Stunden lang durch die karge Traumlandschaft zur sogenannten Kaffeetour, wer es länger und kälter mag, der bucht die Mehrtagestour, übernachtet in Camps, spaltet sich das Holz selber, kocht sich aus Schnee Wasser, taucht ein in ein Leben, das es so weit, so fern von Tourismus kaum noch zu geben scheint. Wie lange man so etwas macht? Hier leben? Mit Hund, Mann, Tochter? Da, wo das Thermometer auch mal -50 Grad zeigt, nichts mehr geht, nichts mehr fährt? Ein Leben lang. Ein ganz wunderbares.