Sekt – ein Europäer mit nationalen Charakterzügen. Jede Gegend steht für ganz spezielle Anbaugebiete, Trauben, Herstellungsweisen und Eigenschaften, durch die sich die jeweilige perlende Köstlichkeit auszeichnet. Der Name verrät dem Genießer, was da in seinem Glas prickelt.
Die große Beliebtheit, der sich Sekt in Deutschland erfreut, ist rund um den Globus unübertroffen: Etwa 22 Prozent des Weltverbrauchs an Sekt und Champagner sowie über 30 Prozent des EU-Konsums entfallen auf den deutschen Markt – und die Deutschen lieben vor allem Schaumweine aus heimischen Kellereien (80 Prozent Marktanteil). Wer jedoch einmal europäische Alternativen testen möchte, dem stehen zum Beispiel folgende regionale Schaumweinspezialitäten zur Wahl:
Cava – aus den Kellern der Penedés-Region
Der Begriff „Cava“ ist das spanische Wort für Keller, und tatsächlich findet die Produktion des spanischen Vertreters unter den Qualitätsschaumweinen auch heute noch oft in ausgedehnten, mehrstöckigen Kelleranlagen statt. Bei Cava handelt es sich um eine überwiegend katalanische Spezialität: Die hierfür verwendeten Weine stammen zu einem großen Teil aus der Anbauregion Penedés im Nordosten Spaniens, etwas südlich von Barcelona. Der Hauptanteil der Produktion spanischen Cavas reift hier in den Kreidekellern rund um die „Cava-Hauptstadt“ San Sadurni und wird hauptsächlich aus den drei einheimischen weißen Rebsorten Xarel-lo, Macabeo und Parellada hergestellt.
Die Herstellung von Cava erfolgt nach dem klassischen Champagnerverfahren, bei dem die zweite Gärung in der Flasche stattfindet. In Spanien nennt man dies „metodo tradicional“. Die Dauer der Hefelagerung, von der die Qualität des Endproduktes abhängt, ist ausschlaggebend für Geschmacksaromen, Duft und Feinperligkeit. Spanischer Cava zeichnet sich häufig durch ein typisches Birnen-aroma und erdige Geschmacksnoten aus und besitzt oft eine sehr helle Färbung. Doch auch in Rosé-Varianten ist der spanische Schaumwein erhältlich. In ganz Spanien wird Cava traditionell besonders gern an Weihnachten getrunken, gerade in Katalonien ist er jedoch das ganze Jahr über ein höchst beliebtes Getränk.
Crémant – edle französische Schaumwein-Variante
Der feine Franzose zeichnet sich durch Understatement aus: Zwar wird auch der sanft perlende Crémant, ebenso wie sein vornehmer Verwandter, nach der Méthode Champenoise produziert. Doch dieser Begriff wurde inzwischen für die Champagner-Herstellung reserviert. Seit Ende der 1980er Jahre versteht man unter Crémant Schaumweine mit der kontrollierten Herkunftsbezeichnung aus Regionen außerhalb der Champagne, die aber im gleichen hochwertigen Verfahren hergestellt werden. Heute nennt man hier das Herstellungsverfahren, bei dem die zweite Gärung in der Flasche stattfindet, Méthode Classique. Ebenso wie beim Champagnerverfahren ist viel Handarbeit gefragt: Über Monate werden die Flaschen täglich gerüttelt und schräger gestellt, damit die Hefe am Ende auf dem Zapfen in der auf dem Kopf stehenden Flasche liegt und beim anschließenden Degorgieren entfernt werden kann.
Zwar werden von Region zu Region verschiedene Rebsorten verwendet, doch die Herstellung erfolgt nach einheitlichen, vorgeschriebenen Regeln. So ist eine Bedingung zum Beispiel die Ganztraubenpressung. Vor der zweiten Gärung werden der Cuvée kleine Mengen an Zuckerlösung hinzugegeben, wodurch sich die individuellen Eigenschaften der verwendeten Grundweine besonders gut entfalten. Eine Mindestverweildauer von neun Monaten auf der Hefe ist vorgeschrieben, und am Ende muss eine Geschmacksprüfung erfolgen. Der Schwefeldioxidgehalt darf beim fertigen Produkt höchstens 150 Milligramm pro Liter betragen.
Eine der ältesten Sektkellereien Frankreichs, Gratien & Meyer, hat sich mit ihren feinperligen Crémants einen großen Namen gemacht. Seit 1864 werden in dem Familienbetrieb an der Loire nach alter Handwerkskunst Qualitätsschaumweine auf höchstem Niveau produziert. Für die Weine kommen dabei überwiegend die Rebsorten Chenin und Cabernet Franc zum Einsatz, die mit kleinen Mengen Chardonnay abgerundet werden. Ganz im Stile eines guten Crémants sind die Endprodukte sanft moussierend und besitzen einen vergleichsweise verhaltenen Kohlensäureanteil. Neben der Loire-Gegend zählen noch Burgund und Elsass zu den bekannten Crémant-Regionen.
Prosecco – erst bei Versektung zum vollen Aroma
Prosecco, über die Grenzen Italiens hinaus als prickelndes Getränk für festliche Gelegenheiten bekannt, ist seit 2010 der Name für die norditalienische Anbauregion und steht somit für eine kontrollierte Herkunftsbezeichnung. Der Italiener der Schaumwein-Familie stammt aus neun zugelassenen Provinzen Venetiens. In den berühmten Anbaugebieten rund um die beiden Ortschaften Valdobbiadene und Conegliano, die in den Hügeln der Trevisianer Voralpen liegen, ist die Prosecco-Traube Glera seit gut 200 Jahren beheimatet.
Grundsätzlich unterscheidet man Prosecco Spumante und den zurückhaltender prickelnden Prosecco Frizzante. Zum Sekt bzw. Qualitätsschaumwein nach deutschem Sprachgebrauch wird nur der Spumante gezählt: Dieser muss einen Alkoholgehalt von mindestens 11 Prozent und einen Kohlensäuredruck von über 2,5 Bar, gemessen bei 20 °C, aufweisen, um sich so nennen zu dürfen. Bei geringerem Druck – aufgrund einer anderen Herstellungsart – fällt er unter die Bezeichnung Frizzante oder Perlwein.
Im Gegensatz zum französischen oder deutschen Winzersekt wird er nach der Méthode Charmat hergestellt, bei der die Vergärung in großen Edelstahlfässern voll-zogen wird. Dabei zeigt sich die Besonderheit der Glera-Traube, die erst nach der Versektung ihr volles Aroma entfaltet. Die Bodenbeschaffenheit der Region und das milde Klima sorgen für ein Genusserlebnis, das sich durch ein liebliches Aroma und einen feinen Säuregehalt auszeichnet. Viele der unterschiedlichen Prosecco-Varianten aus dem Veneto besitzen eine sanfte Mandelnote oder ein zartes Birnen- oder Apfelaroma.
Einer der berühmten Premium-Erzeuger ist zum Beispiel die Kellerei Mionetto mit Sitz im traditionsreichen Valdobbiadene: Hier wird seit über 120 Jahren Weinbau und Kellerei betrieben. Heute finden 12 Millionen Flaschen an Schaum- und Stillweinen jährlich ihre Liebhaber in der ganzen Welt.
Ukrainischer Shampanskoe – goldene Perlen des Ostens
Auch in Osteuropa kann die Schaumwein-Herstellung auf eine lange Tradition zurückblicken: Bereits im 11. Jahrhundert wurde in der Region um Kiew durch orthodoxe Mönche der Weinbau eingeführt. Während der Sowjetzeit war die Ukraine der wichtigste Wein- und Schaumweinlieferant der Sowjetunion. Heute werden in den Steppen der Krim unter anderem Muskatellertrauben angebaut, die durch ihr feines Aroma bestechen und Basis prickelnder Getränke sind, die sich durch eine elegante goldene Färbung auszeichnen und nicht nur in der Ukraine auf Begeisterung stoßen.
Die vielfach ausgezeichnete Sektkellerei Kijewskij Zavos Schampanskich Win Stolitschnyj ist weit über die Landesgrenzen hinaus für ihren feinen Schaumwein bekannt. Die Edelmarke Sowjetskoye shampanskoe muskatnoje, im Ausland gern als „Champagner aus Kiew“ bezeichnet, erhielt zahlreiche internationale Preise. Neben Brut-Sekt in Weiß, Rosé und Rot finden in Osteuropa gerade die lieblichen Varianten besonderen Anklang.